WINTERRUHE

Nun, dass ich den Winter wirklich mag, kann ich von mir nicht behaupten. Kurze Tage, lange Dunkelheit und vor allem Wind und Kälte - brrrrr .... Trotzdem gibt es etwas, das ich sehr gerne im Winter genieße, leider ist mir das als "Wienerkind" nur ganz selten beschert.

Ich liebe es, in einer verschneiten Landschaft spazieren zu gehen. Am schönsten finde ich es, wenn es dabei noch weiter schneit. Oder natürlich ist es auch toll, wenn die Sonne vom blauen Himmel strahlt und der Schnee glitzert.  Es knirscht unter meinen Schritten und vor allem ist es meist ganz ganz still. Alles wirkt gedämpft, von der Schneedecke eingehüllt, verborgen und freundlich zugedeckt.

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Solche Momente geben mir Ruhe, und das ist es, was uns die Winterzeit schenken möchte. Ich brauche solche Erlebnisse in diesen Tagen, ja, ich überlege sogar, für eine kleine Auszeit irgend wohin zu fahren, raus aus Wien, wo ich so eine Schneelandschaft tatsächlich finde und für einen Spaziergang nutzen kann.

Aus Sicht der TCM wirken in diesen Lebensmomenten die Kräfte des Wasserelementes. Die Natur zeigt es uns wieder einmal deutlich: Die Lebenssäfte, die Energien haben sich ganz tief nach unten zurückgezogen. Schnee bedeckt alles, und endlich ist es ruhig. Nichts bleibt zu tun, außer zu warten, unter der Schneedecke, im Winterschlaf. Kälte friert unsere Aktivitäten ein.

Wie immer lässt uns der normale Alltag nicht allzu viel Zeit für solche Momente der Ruhe. Warten, ausruhen, nichts tun, etwas einfach sein lassen, durchatmen, Kräfte bewahren und regenerieren - das hätten wir vermutlich alle dringend nötig - von Zeit zu Zeit in der Winterzeit. Ich weiß, dass das schwierig ist, wenn sich das Alltagsgetriebe weiter dreht.

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Trotzdem versuche ich im Jänner, da wo es möglich ist, sehr bewusst ein wenig leiser zu treten. Ich bin gerne für ein paar Stunden alleine daheim. Radio, Handy, PC bleiben dann stumm. Ich stehle mir hier und da ein bisschen Zeit für einen Winterspaziergang, nur ich mit mir und meinen Gedanken. Ich setze mich am Abend nicht vor den Fernseher, sondern schreibe: Alles, was mir in den Sinn kommt, meine Träume, meine Ideen oder einfach das, was ich gerade fühle. Dazu male ich ein paar lustige bunte Spiralen oder ein paar fette schwarze Fragezeichen.

Wann immer es möglich ist, versuche ich ungeplant zu bleiben. Einige Kästchen im Wochenendkalender bleiben leer. Ich schraube meine Aktivitäten ein wenig zurück und stelle mir vor, ein Teil von mir ist auch so gedämpft und still und verborgen wie die friedliche Schneelandschaft.

Zeit für Dolce Vita im Winter, das bedeutet, ein Stückchen Zeit über zu lassen. Sich überraschen lassen, was kommt, wenn Zeit über ist. Froh sein, wenn nichts kommt und das Stückchen Zeit "einfach so" über bleibt. Denn dann ist vielleicht endlich Zeit, Tee zu trinken, Suppe zu kochen, auf einem Blatt Papier herumzukritzeln und versonnen in den schlafenden Wintergarten zu schauen.

Die Seele freut sich und jubelt, denn endlich bekommt sie Zeit zum Auftanken und zum Erholen.

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Allen, die schon beim Lesen meiner Zeilen kribbelig werden, weil sie es kaum schaffen, dieses "Warten und Nichts-tun", kann ich versprechen: Die Frühlingssonne wird euch bald alle wachküssen, und dann könnt ihr euren Energien wieder freien Lauf lassen. Gönnt euch doch jetzt ein kleines bisschen Dolce-Vita-Garnichts-tun und lasst euch vom Beispiel der Natur eure Reserven auffüllen.