PERFECT IST BORING

“Perfect ist boring”. Das steht auf einem kleinen Anhänger eines Armbandes, welches ich mir im Vorjahr zu Weihnachten selbst geschenkt habe. Un-perfekt sein wäre also somit das Gegenteil von langweilig. Tja, was heißt das aber? Ich kenne beides inzwischen sehr gut, und besonders in den Wochen vor Weihnachten wird das Thema für mich alljährlich aktuell.

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Ich kenne Adventzeiten und Weihnachtsfeste, die wirklich gut gelaufen sind. Voll perfekt sozusagen. In meinem PC finden sich ziemlich geniale Listen, was vorbereitet werden muss, woran ich denken soll und für wen Geschenke und Mitbringsel besorgt werden sollen und und und … langweilig? Naja, eigentlich nicht, irgendwie beruhigend, wenn ich ehrlich bin.

Es gibt auch die anderen Jahre, wo es drunter und drüber ging, und wo ich nicht einmal dazu gekommen bin, die Listen in meinem PC überhaupt durch zu lesen. Langweilig war es zwar nicht, aber teilweise ziemlich anstrengend, also auch nicht ideal.

Wie ist es also mit dem unperfekten Leben, gerade in diesen Weihnachtstagen? Erstrebenswert, lustig, spannend oder doch nur unerwünschtes Durcheinander?

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Ich habe meine Antwort vorläufig gefunden. Unperfekt tut mir sehr gut und bringt mir auch zu Weihnachten ein höchst angenehmes Dolce-Vita Feeling. Es bedeutet jedoch nicht, dass ich an nichts mehr denke und achtlos durch diese Zeit gehe. Ich habe es in den letzten 2, 3 Jahren immer besser geschafft, mir selbst die Gedanken zu erlauben: Ok, das wollte ich zwar auch noch machen, und das wäre auch noch toll geworden - aber es wird einfach heuer nichts damit. Und das lässt mich richtig aufatmen. Ich versuche, mich nicht durch meine ganzen Listen einzuengen, sondern ich schaue, was wird, und wenn’s nicht wird, dann geht die Welt ganz sicher auch nicht unter. Ich bin nicht perfekt und damit kann ich ziemlich gut leben.

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Kekse backen hab ich heuer gleich zu Beginn von meiner Liste gestrichen. Die Weihnachtskarten wollte ich heuer selbst malen und schreiben - Stichwort Instagram-würdiges “Lettering”… nachdem zwar Stifte, Papier und Utensilien seit Wochen hier liegen, aber niemand, auch nicht ich, bisher irgendwas damit getan hat, habe ich einige hübsche Karten fertig erstanden und - ist auch gut! Und ich weiß noch einige Dinge, die ich “eigentlich” ganz sicher machen wollte, in diesen Weihnachtstagen, und die relativ sicher nicht mehr umgesetzt werden.

Ja, das ist un-perfekt, und es fühlt sich richtig erleichternd an. Das Wesentliche wird stattfinden - wir werden als Familie miteinander Weihnachten feiern. Wir werden lachen und uns gern haben, der Stern wird leuchten, und der Rest ist ziemlich egal.

Wenn ich mir so die Fotos in den Social Medias anschaue, die täglich aufploppen, dann habe ich das Gefühl, viel mehr Nicht-Perfektionismus wäre eine Erleichterung. All die perfekten Inszenierungen finde ich dann doch manchmal “boring” und mega anstrengend wirkt es auch.

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So wünsche ich euch heute ganz fest den Mut und die Verrücktheit, in diesen Tagen alles von euren Listen zu streichen, was euch überfordert, langweilt oder eure Dolce-Vita Weihnachtsfreude anknabbern will. Setzt euch auf die Couch und kuschelt einfach gemütlich durch die Tage und vielleicht macht ihr auch ganz einfach keine Fotos, die ihr postet, weil dann ist es auch egal, welche Jogginghose ihr dabei anhabt …

Heute mit einem dicken Weihnachtsbussi, sehr großer Dankbarkeit im Herzen, und vielen lieben Wünschen für das neue Jahr,

eure Angelika