ERNÄHRUNGSDILEMMA

Heute möchte ich über etwas schreiben, das mich schon eine ganze Weile beschäftigt. Ich nenne es “Ernährungsdilemma”. Zuerst steht für mich die Frage - wie kann es sein, dass viele Menschen bei diesem ganz normalen, lebensnotwendigen Thema überhaupt in ein Dilemma geraten? Meine Antwort, und da spreche ich aus eigener langjähriger Erfahrung, auch aufgrund meines beruflichen Interesses: Wir wissen zu viel, wir lesen viel zu viel, wir hören viel zu viel, und wir können alle diese, teilweise extrem widersprüchlichen Erfahrungen kaum selbst bewerten, aufnehmen, ausprobieren und unsere persönlichen Entscheidungen treffen.

Am Ende schaut es für viele Menschen oft so aus:

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Was soll ich essen? Schwer zu sagen. Worauf ich Hunger habe? Schwierig, vieles, auf das ich Hunger habe ist ja ganz schlecht für mich. Zu viel Zucker. Zu viel Fett. Zu wenig Vitamine. Zu schwer verdaulich. Also gesunde Dinge. Aber was ist schon gesund? Auf jeden Fall ökologisch korrekt, fair und nachhaltig. Aber wie kann ich denn wissen, was davon tatsächlich zutrifft auf die Nahrungsmittel, die ich einkaufe. Und überhaupt, kaufen ist ja auch schon problematisch - Stichwort Konsumverhalten, Kapitalismus, Ausbeutung, …

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Welche Funktion soll denn die Speise, die ich auswähle, erfüllen? Will ich abnehmen, zunehmen, detoxen, entschlacken, clean essen? Fleisch sowieso weniger, Fisch ist fragwürdig (Überfischung), Getreide wegen Gluten und diesen Dingen ganz schwierig, Gemüse und Obst nur heimisch (woher weiß ich, was wann heimisch ist?), saisonal, biologisch angebaut, ungespritzt, Soja - ganz umstritten, Kuhmilchprodukte - nicht TCM gerecht, Rohkost - fragwürdig, Wurst, Käse sowieso gleich ausgeschieden, Hülsenfrüchte sind gerade äußerst beliebt, haben aber auch so ihre Ecken und Kanten, und die gesamte Gruppe der Fette ist immer ein komplexes Thema (gesättigt, ungesättigt, kaltgepresst, tierisch, pflanzlich, …)

Nicht zu vergessen natürlich die zahlreichen glücksverheißenden Ernährungstrends wie: Low Carb, LCHF, Paleo, Raw, vegan, … die mir zum Teil inzwischen wie eine Art Ersatzreligion erscheinen, so dogmatisch wie sie teilweise praktiziert werden.

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Wenn wir das noch mit den diversen Krankheiten (Neurodermitis, Hashimoto, Verdauungsbeschwerden,…) oder Unverträglichkeiten, Sensitivitäten und Allergien von großen und kleinen Menschen kombinieren und heilende, nährende, stärkende Speisen passend auswählen wollen, dann wird die Sache wohl für viele eine schiere Unmöglichkeit. Lange Listen von empfohlenen und abzuratenden Nahrungsmitteln machen alles nicht einfacher.

Was tun? “Geh doch einmal zu einer Ernährungsberatung” ist hier ein erfreulicher Ratschlag. Oder? Najaaaa! Gerade in diesem Dilemma hören bestimmt viele Menschen gerne die Versprechen von Ernährungsberater*nnen, welche ich in letzter Zeit auffällig lese: “Weißt du auch nicht mehr, was du noch essen sollst? Dann komm zu mir, in meine Beratung, in meinen Onlinekurs, in mein Webinar, lies mein neuestes Buch, kaufe meinen neuesten selbst kreierten Detox-Tee, folge meiner Diät/Umstellung/Reinigung. Und dann wirst du endlich die Lösung aller dieser Fragen finden!”

Hm. Tja. Ich habe sehr lange über diese komplexen Aspekte nachgedacht, viele Varianten selbst ausprobiert, experimentiert und die Rückmeldungen meiner Klienten und Klientinnen zu meinen Vorschlägen studiert. Nun muss ich mir überlegen, wie ich in Zukunft mit diesen vielen  Dilemma Fragen umgehe und welche Versprechen ich den Leuten, die mich um Rat fragen, seriöserweise anbieten kann und will. Oder nicht. Oder wie???

Wenn dich meine Gedanken dazu interessieren, lies bitte den nächsten Blogartikel und ich freue mich natürlich wie immer über deine Rückmeldungen.